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Wie ein Wandel auch schon bei der Wahl der Unterwäsche beginnen kann, warum sich viele Menschen halbnackt am Royal Exchange versammelten und was Nelson Mandela und Farmen in Indien damit zu tun haben: Ein Text über Slips, Baumwolle und Armut.

Um die eben genannten Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammenzuführen, muss man in das Jahr 2005 zurück reisen, denn nur dann versteht man den Geist einer Bewegung, die letztlich viele Initiativen hervorbrachte: wie  beispielsweise Pants to Poverty, von denen dieser Artikel hier handelt. In diesem Jahr nämlich sprach der Menschenrechtsaktivist Nelson Mandela vor über 20.000 Menschen am Trafalgar Square über das weltweite Problem der Armut und rief dazu auf, dagegen anzugehen – „Sometimes it falls upon a generation to be great. You can be that great generation. Let your greatness blossom. (…). Make Poverty History in 2005. Make History in 2005. Then we can all stand with our heads held high“.
Eine Bewegung war geboren – das Make Poverty History-Movement hat jedoch nicht zufällig seine Basis in den UK. Zu diesem Zeitpunkt war England nämlich nicht nur Gastgeber der G8, sprich der mächtigsten und einflussreichsten Länder der Staatengemeinschaften, sondern hatte auch den Vorsitz in der EU inne; der perfekte Moment also, um politisch etwas zu bewirken. Die Make Poverty History-Bewegung in den UK erkannte dieses historische Zeitfenster und reagierte.

Von der Idee zur Unterhose

Die Welle des Aktionismus und der politischen Partizipation nahm auch Ben Ramsden mit und bot dem Jungunternehmer den optimalen Rahmen für seinen Geistesblitz. Die Produktion von Unterwäsche sollte sein Beitrag sein, zu einer Verringerung der Armut und um die klaffende Lücke zwischen denen, die wenig und solchen, die viel haben, ein wenig zu schließen. Überzeugt von der Idee, dass ein Jeder von uns diesen Wandel bewirken kann, entstand Pants to Poverty – ein Unternehmen, das Unterwäsche produziert und so zeigen will, „that doing something amazing can be easy, fun and even sexy!“. Und tatsächlich hat das Unternehmen Jahre später eine erstaunliche Bilanz vorzuweisen: die Pants werden mittlerweile in 20 Ländern verkauft und um die 5.000 Farmer in Indien, dem Land, aus dem die Biobaumwolle bezogen wird, profitieren vom Produktionsprozess. Um dies zu gewährleisten, arbeiten Pants to Poverty mit Chetna Organic zusammen.

Baumwolle aus Indien

Chetna Organic hilft in Indien kleinen Farmbetrieben in dem sie ihnen sozusagen Nachhilfe in nachhaltiger und effizienter Agrarwirtschaft geben. So soll sichergestellt werden, dass Farmer nicht nur eine gesicherte Grundexistenz aufweisen können, sondern auch in der Lage sind, selbstständig Profit zu erwirtschaften, ohne dabei der Natur Schaden zuzufügen. Das Gebiet aus dem Pants to Poverty ihre Baumwolle beziehen ist der Bundesstaat Orissa an der Ostküste. Hier trägt das Programm von Chetna Organic stolze Früchte und hat den Farmbetrieben ein autonomes Wirtschaften ermöglicht.

Der Siegeszug der Pants

Was Nelson Mandela vor so vielen gefordert hatte, hat begonnen: das Vorhaben Pants to Poverty wächst, gedeiht und blüht. Dabei ist das Team von einem jungen Spirit beseelt, der es immer wieder vermag, mit seinen Aktionen die mediale Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, so zum Beispiel mit dem Flash Mob vor dem Royale Exchange, einem luxuriösem Einkaufscenter im Herzen Londons, bei dem eine Vielzahl Kampagnenfreunde, nur in Unterhosen gekleidet, auf die Missstände der Textilbranche hinwiesen. Pants to Poverty wollte in erster Linie den Pharmakonzern Bayer Crop Science erreichen, damit dieser das hochgefährliche Pestizid Endosulfan endgültig vom Markt nimmt. Nachdem tausende Teilnehmer aus 16 Ländern ihre Unterhosen an den Konzern gesendet hatten, billigte dieser einen Stufenplan, um die Chemikalie allmählich zurück zu ziehen. Events dieser Art sind für Pants to Poverty keine Seltenheit, wie mittlerweile vier Guinness Buch der Rekorde Einträge eindrucksvoll beweisen.

Pants to everyone

Ob der einzelne als Kunde, freiwilliger Helfer, durch Vertrieb oder als Fundraiser Pants to Poverty unterstützen möchte, bleibt eine individuelle Entscheidung. Fakt ist, dass auf all diesen Wegen das Ziel erreicht werden kann, den Anbau von fair gehandelter Baumwolle für Farmer lukrativ zu machen und so nicht nur in Entwicklungsländern einem Farmbetrieb der auf Nachhaltigkeit setzt, genüge zu leisten, sondern auch das ideologische Saatgut, das Mandela gepflanzt hat, in seinem Ergebnis sichtbar zu machen. Denn jede Idee, die zur Tat wird – und wenn es sich auch um die Produktion von Unterhosen handelt – kann dazu beitragen, der Kluft zwischen arm und reich wirkungsvoll zu begegnen.

Hier gehts zur Website von Pants to Poverty.