Lyocell

Sie gilt momentan als eine der nachhaltigsten Textilfasern auf dem Weltmarkt und stellt eine wichtige ökologische Alternative zu anderen gängigen Fasertypen dar. Die Lenzing AG gewann  im Jahr 2000 den Europäischen Umweltpreis für ihre Entwicklung und für den Autor des „Lexikon der Textilien“ Prof.  Thomas Meyer zur Capellen ist sie die Faser der Zukunft: Lyocell (CYL).

 

Schaut man auf die Etiketten in Kleidungsstücken, so ist der Fasername immer häufiger zu finden. Doch was verbirgt sich eigentlich dahinter?
Lyocell – den meisten wahrscheinlich eher unter dem von der Lenzing AG geschützten Markennamen Tencel  bekannt – ist eine natürliche Chemiefaser auf Cellulosebasis.
Der Gattungsname bedeutet so viel wie gelöste Cellulose (Cell = Cellulose, lyo = grie. (auf)lösen) und beschreibt damit im Prinzip schon das Herstellungsverfahren: Im Direktlösemittelverfahren wird die Cellulose aus dem Holz durch das ungiftige Lösemittel N-Methyl-mopholin-N-oxid (NMMO) gewonnen. Die entstandende Spinnlösung wird filtriert und zu Fasern versponnen. Das Besondere an diesem Verfahren ist die Kreislauffähigkeit des eingesetzten Lösungsmittels – es kann laut Lenzing AG zu 99,5% zurückgewonnen und wiederverwendet werden.
Die Faser setzt sich aus Fibrillen mit einzigartiger Struktur zusammen. Diese sind hydrophil (wasserliebend) und sorgen für eine kontrollierte und regelmäßige Feuchtigkeitsaufnahme  (50% mehr  als Baumwolle). Diese hohe Aufnahmekapazität an Feuchtigkeit macht eine Bakterienbildung und -wachstum beinahe unmöglich und verhindert die Geruchsbildung beim Schwitzen. Eine weitere ganz besondere Eigenschaft  ist ihre hohe Trocken- und noch bessere Nassfestigkeit, die ihr den Markennamen Tencel (engl. Tenacity = Zug-/Reißfestigkeit) einbrachte.
Durch eine kontrollierte Fibrillierung der Faser können unterschiedliche Stoffoptiken erreicht werden, wie seidig glatt oder wollig; was sie in der Textilbranche multifunktional einsetzbar macht.

Besonders die gute Anfärbbarkeit von Lyocell macht die Faser auch sehr interessant für den Denim-Bereich. Nach Schätzungen werden jährlich weltweit um die 800 Millionen Jeans hergestellt. Die dafür verwendete Baumwolle stellt eine enorme Umweltbelastung dar. Durch eine Beimischung von 25% Tencel verbessert sich die Ökobilanz einer Jeans signifikant.
Der Rohstoff für die cellulosische Chemiefaser wird aus Eukalyptus und Buchen aus nachhaltiger Holzwirtschaft gewonnen. Eine effizientere Landnutzung sowie ein höherer Hektarertrag dieser Baumarten verschafft diesem Verfahren hinsichtlich der Umweltbilanz einen klaren Vorteil, etwa im Vergleich zur Baumwolle.
Die Lenzing AG – Weltmarktführer für industriell gefertigte Man-made Cellulosefasern – gibt in den Lenzinger Berichten „Lyocell – eine ökologische Alternative“ konkrete Beispiele zum Flächenertrag im Vergleich zur Baumwolle: Laut ihren Angabe liegen die Hektarerträge für Holz als Rohstoff bis zu 4mal höher als die von Baumwolle umgerechnet auf Kg und Jahr. Hier sei auch angemerkt, dass der Holzanbau in der Regel auf künstliche Bewässerung und Pflanzenschutzmittel verzichten kann und im Gegensatz zur Baumwolle auch mit wesentlich ärmeren Böden zurechtkommt.
Mit einer stetig wachsenden Weltbevölkerung steigt auch der  weltweite Faserbedarf. Innovative textile Faserstoffe, wie Lyocell, sind wichtig um den Bedarf weiterhin decken und gleichzeitig mit Umwelt- und Ressourcenschonung in Einklang bringen zu können.
Kleidung aus Lyocell/Tencel gibt es beispielsweise bei alchemist und Portocolonia.