Kleidertauschrausch

Das dachten sich vor einigen Jahren ein paar kreative Köpfe der N.Y.er-Szene und setzten einen wahren Tauschrausch in Gang, der allmählich seine globalen Fäden zieht. Zurückgeführt wird der sogenannte „SWAP“ (zu Deutsch: Tauschhandel) auf die Folgen der jüngsten Wirtschaftskrise. Viele Menschen, vor allem momentan noch viele Frauen, wollten sich nicht durch die finanziellen Einschränkungen den Shopping-Spaß vermiesen lassen und so entstanden die ersten Tauschevents bei denen nach Herzenslust alte Lieblingsteile den Besitzer wechseln. Mittlerweile finden sich zahlreiche Anbieter der Swap-Events – von spontanen Selfmade-Swappern, die einmalige Tauschtreffen vereinbaren bis hin zu professionellen Veranstaltern.

Der Swap-Markt folgt seinen eigenen Regeln: Üblicherweise bringen die Tauschwilligen eine überschaubare Anzahl an gut erhaltenen, sauberen Kleidungsstücken und Accessoires mit, die sie beim Veranstalter gegen Credits oder fiktive Tauschdollar einwechseln. Die so gesammelte Währung kann dann auf der anschließenden Swap-Party gegen andere Fundstücke eingetauscht werden. Häufig sind solche Events begleitet von Happenings wie Styling-Workshops oder Fotosessions. Das Konzept boomt und das aus gutem Grund: Neben dem Vorteil die eigenen Kleiderschrankhüter gegen Neues auszutauschen und auf diesem Weg das Portemonnaie zu schonen ist auch dem guten Zweck ein Übriges getan. Seit zunehmend bekannter wird, dass Kleiderspenden nicht immer den Weg zu Bedürftigen finden, sind die Tauschpartys eine optimale Lösung für dieses Problem. Das „Swappen“ ist somit Ausdruck eines Gemeinschaftsgeistes gegen unreflektierte Überproduktion, Misswirtschaft von Kleiderspenden und unkontrollierten Konsum.

     

Einen umfassenden Überblick zu bundesweiten Tauschpartys bietet beispielsweise der Blog klamottentausch.net. Hier werden Tauschevents in Deutschland angekündigt und die Interessenten erhalten einen aktuellen Einblick in das ständig wachsende Angebot. Dass das Prinzip des Kleidertauschens auch online funktioniert, beweist eindrucksvoll die Kleidertausch-Plattform Kleiderkreisel. Die Nutzer können sich einen virtuellen Kleiderschrank anlegen und mit den anderen Anbietern auf einen Handel einigen – tauschen, verkaufen, verschenken ist hier die Devise.

Denjenigen, die den Wert eines Offline-Erlebnisses zu schätzen wissen, seien die Kleidertauschpartys von Common Vintage empfohlen. Common Vintage Gründerin Karin Fröhlich beschreitet schon seit einiger Zeit den Weg des “Swappens” und leistet mit ihren Events einen wichtigen Beitrag, um das Kleidertausch-Prinzip zu etablieren. Wenn sich dann zu ihrer nächsten Veranstaltung am 06. Mai im Badehaus (Revaler Straße 99, Berlin Friedrichshain) die Türen öffnen, erwartet die Tauschlustigen nicht nur eine kunterbunte Kleiderauswahl sondern auch ein vielseitiges Rahmenprogramm mit Musik, Stylisten und der Möglichkeit, sich in original 20er-Jahre-Kleidern fotografieren zu lassen. Um Gleichgesinnten auch zwischen den alle sechs bis acht Wochen stattfindenden Tauschpartys eine  Plattform zu bieten, wird die Website www.commonvintage.com pünktlich im Juli zur Berliner Fashion Week online gehen.