Innatex 070

Zum 31. Mal öffnete die internationale Fachmesse Innatex für nachhaltige Textilien in Hofheim-Wallau ihre Türen (04.-06.08.2012).
Drei Tage lang konnten Fachbesucher hier neben Produkten aus dem klassischen Bekleidungssektor auch zahlreiche weitere textile Produktgruppen wie Accessoires, Heimtextilien, Stoffen und Spielzeug ordern, alles mit besonderem Fokus auf Sozial- und Umweltstandards.
Zwölf der insgesamt 220 Aussteller waren als Erstaussteller-Labels zu sogenannten DesignDiscoveries nominiert, auf die durch eine hervorgehobene Standgestaltung und gezielte Öffentlichkeitsarbeit ein besonderes Augenmerk gerichtet war. Eines davon war beispielsweise das Berliner Streetwear-Label Treches, dessen Erkennungsmerkmal Hoodies mit grafischer Schnittführung sind. Die Schnitttechnik wird hinsichtlich einer Reduzierung des Stoffabfalls ständig optimiert. Die verwendeten Stoffe stammen unter anderem von der Firma Lebenskleidung, einer nach GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifizierten Textilagentur die sich auf Bio-Baumwollstoffe und Bio-Seidenstoffe spezialisiert hat.
Vor allem bei Natural Fashion, aber auch bei Alma & Lovis wurde für die Kollekion Baumwolle verwendet, die von Natur aus farbig wächst. So lässt sich der aufwändige und Umwelt belastende Färbevorgang vermeiden. Die Farbpalette reicht hier von hellen Nuancen in Braun bis Grün.
Die Unterwäsche von Pants to Poverty besticht nicht nur durch ihr Design, sondern auch durch die Firmenphilosophie. Die Bio-Baumwolle wird in einer indischen Bauern-Kooperative angebaut. Der Produktionsbetrieb vor Ort setzt auf gerechte Entlohnung, Wasser-Recycling, Energieeinsparung und Weiterbildung. Weitere DesignDiscoveries waren die Labels: Rike Winterberg, Atelier Laure Paschoud, meinfrollein, Weiss, AikyouSweet-Tee Design, Patu und Spiochi.

 

Eine besondere Entdeckung für mich waren diesmal die Kleider von Les Racines du Ciel aus sogennanter „chinesisch lackierter Seide“. Die Seide wird nach einer traditionellen südchinesischen Technik mit Süßkartoffelpaste eingerieben, in der Erde vergraben und im Anschluss bis zu 30 Mal in einem eisenhaltigen (wichtig!) Fluss gewaschen und in der Sonne getrocknet. Der Prozess dauert bis zu einem Jahr und verleiht dem Stoff eine fast schwarze Tönung. (Schade, dass man auf diesem Wege das haptische Erlebnis dieser besonderen Veredlung  nicht vermitteln kann.)
Ein Tipp von mir für alle Beyondfashion-Leserinnen (!) sind die Jeans von Sey. Geschäftsführerin Selma Yasdut konzipiert ihre sehr femininen Jeans genau auf die weiblichen Bedürfnisse:  Durch eine spezielle Schnitttechnik sitzen die Hosen an jeder Frau geradezu perfekt. Ihre Premium-Jeanskollektion wird ausschließlich aus “Fair Trade gehandelter Bio-Baumwolle hergestellt”. Ich habe von der Röhre bis zur Marlenehose alle Modelle anprobiert und bin von der Passform absolut begeistert.

 

Auch diesmal war wieder viel Schmuck aus Naturmaterialen zu entdecken. Wie beispielsweise aus der Tagua-Nuss. Diese Nuss ist der Samen einer tropischen Palme, die in den Regenwäldern der Pazifikküste Kolumbiens wächst. Für die Schmuckherstellung werden die Nüsse zwei Jahre lang getrocknet, dann geschliffen, geschnitten, eingefärbt und poliert. Die Firma Green Age stellt solchen Schmuck her. Auf der Suche nach innovativen Naturmaterialien, die man mit der Tagua-Nuss verbinden kann, verwendeten sie nun erstmals Orangenschalen. Der Clou an der Sache: Der Schmuck mit den Orangenschalen duftet ganz toll.