Green Cycles

Das Department Design der HAW Hamburg lud vergangenen Freitag (29.06.2012) zum Green Cycles Symposium „Social Responsibility im textilen Kreislauf“. Die bereits zum dritten Mal tagende Veranstaltung beschäftigt sich mit unterschiedlichen Themen rund um grüne, nachhaltige Textilien.
Im diesjährigen Fokus der Diskussions- und Vortragsreihe standen innovative Einsatzmöglichkeiten  bekannter Materialien , Nachhaltiger Fasern und die Transparenz im textilen Kreislauf. Renommierte Referenten aus Wirtschaft und Wissenschaft gewährten informative und spannende Einblicke zum aktuellen Stand bezüglich nachhaltiger Faserstoffe und ihrer Zukunftsperspektiven.

Die Lenzing AG – Weltmarktführer für industriell gefertigte Man-made Cellulosefasern (auf Holzbasis) – präsentierte beispielsweise ökologische Möglichkeiten in der Herstellung. Der Faserspezialist Lenzing produziert seit beinahe 75 Jahren Cellulosefasern und gilt als Experte auf dem Gebiet der Chemikalien-Rückgewinnung in der Faserproduktion (heutiger Stand ist eine Rückgewinnungsrate von mehr als 95 %). Für die neueste Öko-Innovation der Firma – die Faser Lenzing Modal  Edelweiss- wird die Cellulose aus österreichischen Buchen gewonnen. Durch die Edelweiss-Technologie (auf Sauerstoff basierende Chemie) kann die Modalfaser die höchsten Umweltstandards erfüllen und ist sogar CO2 neutral.

Michael Kohne, Gründer der Smartfiber AG präsentierte SeaCell, eine Fasermischung aus Cellulose und Algen. Die dafür verwendete Braunalge enthält eine Fülle an Vitalstoffen, die beim Tragen von der Haut aufgenommen werden und denen nachweislich eine schützende und entzündungshemmende Wirkung zugesprochen wird.  Der Tang wird auf schonende und nachhaltige Weise geerntet und verarbeitet.

Prof. Thomas Meyer zur Capellen, Autor des “Lexikon der Gewebe”,  gab einen umfassenden Überblick zu den Vor- und Nachteilen verschiedener Faserstoffe wie Mais, Soja, Bambus und Kapok hinsichtlich deren ökologischem Fußabdruck und Einsatzmöglichkeiten in der Zukunft .

Enrico Rima von der Berliner Firma Lebenskleidung berichtete zum Thema “Vom Faden zur Fläche” über eigene Erfahrungen in Indien und die Schwierigkeit, die selbst zertifizierte Materialien und Produktionsstätten bezüglich Transparenz mit sich bringen.

Peter de Vries von der Hutmanufaktur de Vries veranschaulichte an Hand von Arbeiten, die in Kooperation mit Studierenden der HAW entstanden sind, Designaspekte zum Thema Filz. Um dem Ökoimage von gefilzter Wolle entgegenzuwirken, entstanden in intensiver Auseinandersetzung mit dem Material außergewöhnliche Kreationen im Bereich Mode- und Produktdesign, wie beispielsweise Handwärmer am Fahrradlenker, Stehlampen, Filzkleider und Handgelenksstützen zur Entlastung bei der Computerarbeit mit der Maus. Besonders beeindruckend war “Jurte” (inspiriert von dem traditionellen Zelt der Nomaden in West- und Zentralasien), eine Handtasche, die umgebaut zum Schlafsack wird.

Die Veranstaltung war auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg und ermöglichte einen informativen Austausch zwischen Unternehmen und Interessierten der Textilbranche.