Baumwollpflanzen

Baumwolle ist dank ihrer tollen Trageeigenschaften (u. a. atmungsaktiv, reiß- und scheuerfest, saugfähig) heute die beliebteste Faser bei Textilien.
Auch als „Weißes Gold“ bezeichnet, ist sie für viele Länder das wichtigste Wirtschafts- und Exportgut. Ca. 250 Millionen Jobs hängen weltweit von der Baumwollindustrie ab, der Rohstoff macht 38% des Weltmarktanteils bei Naturfasern aus (26,9 Millionen Tonnen). Die größten Produzenten sind China, Indien, die USA, Pakistan und Brasilien. Doch der Baumwollanbau ist ein mühseliges Geschäft mit teilweise katastrophalen Bedingungen für Mensch und Natur.

Zum Wachsen braucht die Pflanze heißes, trockenes Klima und enorme Mengen an Wasser. Im Frühling gepflanzt, dauert es bis zu sieben Monate bis geerntet werden kann – eine lange Wachstumsphase, die die empfindliche Pflanze auf eine harte Probe stellt: Insektenbefall, Pilze und ungünstige Wetterbedingungen können schnell zum Eklat werden. Um dies zu umgehen kommen Unmengen an giftigen Pestiziden, wie Fungizide (gegen Pilzbefall), Herbizide (zur Unkrautbekämpfung) und vor allem Insektizide zur Schädlingsbekämpfung zum Einsatz.  Fast ein Viertel aller weltweit eingesetzten Insektizide landen auf Baumwollfeldern. Laut offiziellen Angaben der WHO (World Health Organisation) kommen jährlich 20 000 Menschen durch unsachgemäßen Pestizideinsatz zu Tode (z.B. mangelhafte Schutzkleidung oder ungesicherte Lagerung der Giftkanister), 3 000 000 erleiden Vergiftungen und 735 000 erkranken chronisch. Viele Bauern geraten in eine Abhängigkeitsfalle – im Wettlauf um Produktivität kaufen sie teures Saatgut, Pestizide und Düngemittel auf Kreditbasis. Magere Ernten machen eine Rückzahlung unmöglich.
Kritisch ist auch der Wasserverbrauch: Die in 80 Ländern auf 33 Millionen Hektar angebaute Pflanze benötigt unvorstellbare Mengen von bis zu 29 000 Litern pro Kg (abhängig von regionalen Bedingungen und Bewässerungsmethoden), die nur teilweise durch Niederschlag gedeckt werden können. Das künstliche Bewässern des Ackerlandes führt zu sinkendem Grundwasser, Austrocknungen, Versalzung und Versteppung. Bekanntestes Beispiel dafür ist der Aralsee in Usbekistan. Einst der viert größte Inlandsee der Welt, schrumpfte er auf ein Fünftel seiner ursprünglichen Größe durch unsachgemäßen Wasserverbrauch für den Baumwoll- und Reisanbau. Zurück blieb eine unfruchtbare Salzwüste.
Insgesamt verbraucht der Baumwollanbau genauso viel Wasser wie alle Privathaushalte der Welt zusammen.
Wichtig für einen erfolgreichen Wachstum ist auch ein nährstoffreicher Boden. Die Baumwollpflanze verschlingt Mengen an Mineralien wie Magnesium, Eisen, Zink und Kalzium, aber auch Phosphor, Kalium und Nitrogen, die beim konventionellen Anbau dem Boden durch künstliche Mineraldüngemittel zugefügt werden.

Kunstdünger, Saatgutproblematik, Pestizide… als Lösung kamen genetisch veränderte  Anbaupflanzen auf den Markt
Obwohl heute 64% der gesamten Baumwollanbaufläche (21 Millionen Hektar) Bt Baumwolle (Biotech) ist, ist dies keine adäquate Lösung des Problems. Ein dreifach so hoher Wasserverbrauch beim Anbau wie bei herkömmlichen Pflanzen, hoher Energieaufwand und Ressourceneinsatz bei der Herstellung kommen in Zeiten von Klimawandel und Ressourcenknappheit nicht gut an.

Bioanbau – die Lösung?
Ende der 1980er begann ein Umdenken hinsichtlich nachhaltigereren Methoden und damit der Anfang von biologischem Baumwollanbau. 2005 kamen dann die ersten Zertifizierungen auf den Markt, wie Fairtrade Cotton, gefolgt u. a. von der Better Cotton Initiative (BCI), Cotton made in Africa (CmiA) und dem Integrated Pest Management (IPM).
Bei kontrolliert biologisch angebauter Baumwolle werden synthetische Pestizide durch pflanzliche Alternativen ersetzt. Verwendet werden  beispielsweise Kräuterextrakte, Chili, das Öl des Niembaums oder natürliche Bakterien. Baumwolle produziert auch ein eigenes Insektizid, das Gossypol. Durch Fruchtwechselfolge und organische Dünger aus Kompost und Tiermist wird sichergestellt, dass der Boden nährstoffreich bleibt. Statt Herbiziden werden Nützlinge gepflanzt. Der Anbau von Sonnenblumen beispielsweise hält Schädlinge ab, Hülsenfrüchte wiederum halten das wichtige Nitrogen im Boden.
Traditionelles Wissen und Pestkontrollmethoden, die die Farmer über Jahrhunderte entwickelt haben, werden genutzt.
Eine wichtige Rolle spielt auch der gezahlte Kilopreis. Für viele Bauern in ärmeren Ländern ist es unmöglich gegen Agrarsubventionen in den Industrienationen wettbewerbsfähig zu bleiben. Fairtrade beispielsweise garantiert den Farmern Abnahmepreise, die über den lokalen Marktpreisen liegen und sich an realen Produktionskosten orientieren – ist die Baumwolle in Bio-Qualität werden noch höhere  Mindestpreise gezahlt. Ausserdem fließen 5 Cent „Fairtrade-Prämie“ pro Kilogramm in Gemeinschaftsprojekte der Baumwollbauern (z.B. für Bildungseinrichtungen, Brunnen und in die Gesundheitsfürsorge) und sichern so bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen. Dadurch angespornt ist mittlerweile ein Drittel der Fairtrade zertifizierten Baumwolle auch biologisch.
210 000 Tonnen Biobaumwolle wurden in der letzten Saison angebaut. Klingt viel, macht allerdings weniger als 2% der weltweiten Produktion aus. Bis 2025 soll der geplante Anteil ein Drittel ausmachen.

„Fast fashion and slow growing cotton can appear mutually exclusive. Which one should adapt to the other? Fashion and textiles in a more resource limited world must work within limits while remaining relevant, creative and interesting; this is a new challenge for designers, buyers and financiers, and ultimately for consumers, the final arbiters of the success or otherwise of sustainable cotton: there certainly needs to be more discussion of Consumers Social Responsibility alongside Corporate Social Responsibility.” Simon Ferrigno