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Laut der BRIGITTE Kommunikations Analyse 2012 ist „Sozial das neue Bio“. Seit 1984 erhebt diese Studie alle zwei Jahre repräsentative Umfragen in Deutschland über die Einstellungen von Frauen gegenüber Marken und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Ergebnis der aktuellen Analyse: 58 Prozent der über 5000 befragten Frauen würden Marken bevorzugen, die sich glaubwürdig in sozialen Projekten engagieren. Bei der Kaufentscheidung zählen heute also nicht mehr nur das ökologische Engagement eines Unternehmens, sondern auch soziale Aspekte, wie faire und verantwortungsbewusste Produktionsbedingungen.
Hier kommt der Begriff des sozialen Unternehmertums ins Spiel. Unter diesem Begriff versteht man  nach der Definition des Wirtschaftslexikons „unternehmerisches Den­­ken und Handeln zum Wohle der Gesellschaft und zur Lösung oder Verbesserung gesellschaftlicher Missstände…. Der Erfolg von Social Entrepreneurship wird nicht allein auf Basis finanzieller Profite, son­dern anhand des gesellschaftlichen Nutzens bewertet“.

Wie kann so ein Sozialunternehmertum in der Modebranche aussehen?
Um dies zu beantworten treffe ich den Social Entrepreneur Fionn Dobbin in der lettischen Hauptstadt Riga. Hier lebt und arbeitet der Dozent der Stockholm School of Economics und Gründer und Kreativdirektor des Social Business Modelabels MAMMU. Schon während seines Studiums zum Industriedesigner an der Udk in Berlin stieß er auf das Thema soziales Unternehmertum, das ihn seither beruflich leitet und begleitet. Für seine Diplomarbeit entwickelte Dobbin zusammen mit der Beratungsfirma für Social Business „The Grameen Creative Lab“ des Friedensnobelpreisträgers Dr. Mohammad Yunus das Projekt „Shit Rules“. Die Idee dahinter ist die Konzeption eines neuen Toilettensystems für die 2.6 Milliarden Menschen die keinen Zugang zur Sanitäranlagen haben. Die Inhalte der dafür entwickelten Hocktoiletten werden in regelmäßigen Abständen zu  öffentlichen Biogasanlagen gebracht, in denen sie in Energie umgewandelt werden. In einem angegliederten „Energiekiosk“ kann man dann beispielsweise Batterien für Handys oder Lampen aufladen lassen („300g of shit = 4h ipod“).
Nach den von Dr. Mohammad Yunus festgelegten Prinzipien des Social Business funktioniert auch Fionn Dobbins Modelabel MAMMU. Ziel ist nicht die Gewinnmaximierung, sondern das Lösen sozialer Probleme. Das Konzept dahinter: Die Firma schüttet den erwirtschafteten Gewinn nicht an die Eigentümer aus, sondern verwendet ihn für den Kampf gegen soziale Missstände wie Hunger, Armut und Ausbeutung. Die Unternehmen als Investoren erhalten nur ihre ursprüngliche Investition zurück –  Dividenden werden keine ausgezahlt. Nachdem die ursprünglichen Investitionen zurückgezahlt wurden, bleiben die Gewinne im Unternehmen und werden in Wachstum und Verbesserung investiert.
Für MAMMU, was so viel wie Mami bedeutet, werden ausschließlich bedürftige Mütter, meist alleinerziehend, die keinen klassischen 9-to-5 Job machen können beschäftigt. Hergestellt werden in Handarbeit wunderschöne Leinenschals mit bunten Applikationen aus recycelter Baumwolle, die die MAMMU-Muttis in Heimarbeit Herstellen, um so ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Ihre Arbeitszeiten können sie auf diese Weise individuell einteilen. Verwendet werden nur lokale Materialien, der Flachs beispielsweis kommt aus Estland und Lettland. Seit letzten Sommer gibt es auch eine Schalkollektion aus Trainingsanzugstoff, für die Winterkollektion mit Fleece gefüttert. Und in Planung befinden sich eine Streetwear und eine Haute-Couture-Kollektion. Momentan arbeitet Fionn Dobbin schon an zwei weiteren Projekten im Bereich soziales Unternehmertum; wir sind gespannt was da noch alles von ihm kommen wird.

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