Altkleider

Rund 750 000 Tonnen Textilien werden in Deutschland jährlich in die Kleidersammlung gegeben. Eine unvorstellbare Menge.
Aber was passiert eigentlich mit unserer Kleidung nachdem wir sie dem Altkleidercontainer oder der Kleidersammlung überlassen haben? Die immense Menge, die auf diese Weise zusammenkommt, übersteigt den Bedarf für soziale Zwecke  um ein Vielfaches. Daher wird der größte Teil der Kleidersammlungen – auch der von gemeinnützigen und karitativen Organisationen -  an gewerbliche Textilrecyclingfirmen im In- und Ausland verkauft, die mit dem Sortieren und Verwerten der Ware Geschäfte  machen. Oftmals sammelt der auf dem Container angegebene Verein oder die gemeinnützige Organisation  gar nicht selbst, sondern „vermietet“ nur seinen Namen an einen kommerziellen Händler. Was mit den Altkleidern weiterhin geschieht, wissen sie meist nicht.
Unsere ausrangierten Kleider sind also ein Wirtschaftsgut. Gerade Deutschland weist in Europa mit Abstand das größte Sammelaufkommen auf.
Die Altkleider werden zunächst nach Sorte und Qualität getrennt. Unterschieden werden hierbei vier Qualitätsstufen, wobei nur die Cremeware und  Ware 1 als Secondhand-Kleidung verwendet wird. Das macht etwa 45% der gesammelten Textilien aus, der Rest wird zu Fasern (u. a. für Isolierungen, Matratzen, Garne) oder Putzlappen (40%) verarbeitet oder muss als Restmüll (15%) entsorgt werden.
Der größte Teil der aussortierten Secondhand-Kleidung , aber auch  der unsortierten Originalsammelware wird von den Sortierbetrieben an Abnehmer in Osteuropa, im Mittleren Osten und  vor allem Afrika weiterverkauft, um über viele Zwischenhändler letztendlich dort auf den lokalen Märkten zu enden. 60 – 70% des Kleiderbedarfs vieler afrikanischer Länder werden so durch Gebrauchtkleider gedeckt und bieten eine preisgünstige Möglichkeit sich dort modebewusst und mit qualitativ guter Kleidung zu versorgen.
Nachteil daran ist, dass der Markt mit kostengünstiger Ware überschwemmt wird und die heimische Textilindustrie preislich nicht konkurrieren kann. So bleibt in einigen afrikanischen Ländern nur noch eine geringe lokale Textilproduktion (hauptsächlich von traditionellen Stoffen und Kleidern). Selbst Neukleidung aus Billiglohnländern in Europa und Asien ist oft teurer als die Gebrauchtkleidung. Zudem sollte man nicht außer Acht zu lassen, dass mit dem langen Transportweg der Altkleider auch ein erhöhter CO2-Verbrauch verbunden ist.
Um nicht an dubiose Geschäftemacher zu geraten, die unter dem Deckmantel karitativer Zwecke sammeln, den Erlös aber in die eigene Tasche wirtschaften, sollte man sich gut informieren, bevor man Kleider spendet. Container ohne Name und Telefonnummer unbedingt meiden. Sammelstellen mit dem Siegel des Dachverbandes FairWertung stehen für verbindliche Standards bezüglich fairer Sammlung und Vermarktung von Gebrauchtkleidern. Die gut 110 ihm angeschlossenen Organisationen und Gruppen  haben zusammen ein Sammelaufkommen von ca. 38 000 Tonnen.
Andere Möglichkeiten sind Klamottentauschpartys, Flohmärkte oder die Abgabe an lokale Sozialeinrichtungen, Kleiderkammern oder an Secondhandläden.
Seit den 1990er Jahren ist der Textilverbrauch stark gestiegen, da Kleidung auf Grund der Verlagerung von Produktionsstätten in Billiglohnländer immer günstiger angeboten werden kann. Die dadurch ermöglichte Schnelllebigkeit der Mode bringt einen enormen Qualitätsverlust mit sich. Kleidung wird schnell wieder als Gebrauchtkleidung entsorgt, doch auf Grund der mangelhaften Qualität wird der Anteil der wieder verwendbaren Textilien immer geringer und die Verkaufskosten dieser Ware können die Kosten, die dem Sortierbetrieb für Beschaffung und Sortierung entstehen, nicht decken.
Am meisten können wir also helfen, wenn wir verantwortungsbewusst Kaufen und nicht gedankenlos Konsumieren.

Montagsmarkt in Djenné, Mali

 

Dokumentation des NDR “Geschäft mit Altkleidern”

http://www.youtube.com/watch?v=lhRUwBsbvgg