Deepmello

Von April bis Juni ist Rhabarberzeit – die Zeit, in der jedes Jahr die leckeren, roten Rhabarberstangen zu Kompott, Marmelade und Kuchen verarbeitet werden. Etwa 600 Hektar Rhabarber werden in Deutschland angebaut. Das dieses Gemüse nicht nur ein Genuss für den Verzehr ist, hat das Label Deepmello bewiesen: Sie fertigen wunderbare Taschen, Accessoires und Kleidungsstücke aus sogenanntem Rhabarberleder.

Leder wird durch Gerbung haltbar und geschmeidig gemacht. Bei der konventionellen Herstellungsmethode werden dafür Chromsalze (bei über 90% der weltweiten Lederproduktion) eingesetzt. Aus dem dabei verwendeten, gesundheitlich unbedenklichen Chrom (III), kann allerdings durch unsachgemäßen Einsatz oder Oxidation beim Verarbeitungsprozess Chrom (VI) entstehen. Das umweltschädliche Chromat kann bis zu 1000-fach toxischer sein, als die ursprünglich verwendete Chromverbindung. Dieses mit sechswertigem Chrom verunreinigte Leder kann bei Hautkontakt Allergien und Hautreizungen auslösen, sowie durch Einatmen Krebs verursachen.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat deshalb in einer Gefährdungsbeurteilung, hinsichtlich Daten zum Chrom (VI)-Gehalt in Lederprodukten bewiesen, dass es in mehr als der Hälfte der geprüften Produkte in teilweise gesundheitlich relevanten Mengen nachgewiesen werden konnte.

Aus genau dieser Problematik heraus entstand die Idee für das deutsche Label Deepmello: Mit pflanzlich gegerbtem Leder eine Alternative zu dem Prozess der konventionellen Gerbung von Tierhäuten zu schaffen. Eine regionale und unkomplizierte Pflanze sollte dafür zum Einsatz kommen: Rhabarber. Jahrelange Forschung und Optimierung des Gerbprozesses gingen voraus, bis die erste Kollektion – mit einem Extrakt aus der Rhabarberwurzel gegerbte Lederprodukte – 2011 gelauncht werden konnte. Der berufliche Hintergrund der drei Initiatoren von Deepmello ist eigentlich weit entfernt vom Designbereich: Sie entstammen alle samt der Wissenschaft, nämlich der Pflanzenanalytik. Geschäftsführerin Anne-Christin Bansleben ist Ökotrophologin und forscht auf dem Gebiet der Aromastoffanalytik von Pflanzen. Für sie ist an dieser Symbiose von Wissenschaft und Design gerade interessant “Bereiche miteinander zu verknüpfen, die eigentlich nicht zusammen passen.“
Ein weiterer Anspruch an die eigenen Produkte sollte 100% made in Germany sein. Das heißt, beginnend bei den Pflanzen, die auf eigenen Feldern bei Bernburg angebaut werden, den Tieren (als Rohware werden ausschließlich Häute von heimischen Rindern verwendet), der Gerbung bis zur finalen Produktion werden alle Arbeitsschritte in Deutschland durchgeführt. So werden auch die Transportwege kurz gehalten. Für den Gerbeprozess benötigt man nur die Wurzel, der restliche  Teil der Pflanze wird für andere Forschungsprojekte eingesetzt, beispielsweise im Bereich der Kosmetik.
Das Leder von Deepmello ist IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft) zertifiziert und entspricht auch bei der Färbung den ökologischen Standards des Qualitätszeichens für Naturleder.
Das champagnerfarbene Rhabarberleder beispielsweise entsteht rein durch Einsatz des Rhabarberextraktes. Die weiteren Farben mocca, black und grey werden synthetisch gefärbt.

             

Die Produkte des anfänglich unter dem Namen laufenden Labels „the rooters“ bestechen nicht nur durch die vegetabile Gerbung, sonder auch durch äußerst gut durchdachtes und funktionales Design. In Zusammenarbeit mit Designern wie Esther Perbandt, Anne Gorke, Kaseee oder Studio Jux entstehen Taschen, Gürtel, Accessoires und Kleidung aus Leder für Frauen und seit diesem Sommer auch für Männer. Anne-Christin Bansleben sieht auf Grund stetig steigender Nachfrage nach chromfreiem Leder – auch von großen Konzernen – richtungsweisend einen wachsenden Markt für pflanzlich gegerbtes Leder. Die eigene Produktpalette soll auch in Zukunft fleißig erweitert werden, am liebsten um „alles Schöne was in Leder umgesetzt werden kann“, wie sie sagt, dazu zählt beispielsweise auch Interieur. Es bleibt also mit Spannung abzuwarten, wie sich der Markt entwickeln wird. Ein Massenprodukt soll Deepmello aber auch weiterhin nicht werden, das ganze Projekt soll immer in einem „gesunden Verhältnis zur Natur“ bleiben.

Hier geht’s zur Website und dem Onlineshop von Deepmello.