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“Stelle das beste Produkt her, belaste die Umwelt dabei so wenig wie möglich, inspiriere andere Firmen, diesem Beispiel zu folgen und Lösungen zur aktuellen Umweltkrise zu finden.” – So lautet das Leitbild der US-Firma Patagonia, die heute zu den nachhaltigsten und innovativesten Outdoorbekleidungs-Unternehmen weltweit zählt.
Doch das war nicht immer so…

Über die Feiertage habe ich das 2012 erschienene Buch „The Responsible Company: What we’ve learned from Patagonia’s first 40 Years“ gelesen, dass ich euch gerne vorstellen möchte. Die Verfasser sind der Gründer und Inhaber von Patagonia, Yvon Chouinard, und sein Neffe, der Marketing-Leiter der Firma Vincent Stanley.

Was bedeutet es ein verantwortungsbewusstes Unternehmen zu sein und wie kann man eines werden? Ziel des Buches ist es Firmen und ihren Angestellten einen Leitfaden zu bieten um ihre Mängel hinsichtlich Umwelt- und Sozialstandards zu erkennen, zu dezimieren und schrittweise zu unternehmerischer Verantwortung zu finden. Dabei stützen die Autoren sich auf ihre langjährige Erfahrung und ergänzen diese durch beispielhafte Bemühungen anderer Unternehmen.

Auch Patagonia, nach eigener Aussage ursprünglich gegründet als „an easy-to-milk-cash-cow“ hat einen langen Weg zurückgelegt was verantwortungsbewusstes Unternehmertum angeht.

“Our responsibilities as businesspeople came slowly..a handful of moments that stunned us into consciousness.”(S.3)

Angefangen bei der Unterstützung lokaler Umweltgruppen, über den Umbau des Firmensitzes in Californien sowie der Läden hinsichtlich mehr Energieeffizienz und ökologischen Aspekten (beispielsweise Verwendung von recycelten Baumaterialien), hin zur Gründung von „1% for the planet“ (ein Zusammenschluss von Firmen, die sich verpflichtet haben, mindestens 1% ihres Umsatzes für den Schutz und die Erhaltung der Umwelt zu spenden), befand sich Patagonia für seine Zeit auf einem guten Weg. Doch dann kam 1988 die große Erkenntnis:

„We had taken several steps to get our house in order, but we had not yet changed the way we made clothing.” (S.48)

Seitdem hat sich viel getan: Verwendung ausschließlich von Bio-Baumwolle, Bluesign-Zertifizierung, Mitbegründung der Sustainable Apparel Coalition, Mitentwicklung des Eco Index (ein Bewertungs-Tool der von Herstellern verwendet werden kann, um den sozialen und ökologischen Einfluss jedes einzelnen Produkts messen zu könne), Footprint Chronicles (für mehr Transparenz in der Lieferkette), Common Threads Initative (Reduzieren, Reparieren, Weiterverwenden, Recyceln, Umdenken), Life-Cycle-Analysen… nur um einige der Initiativen zu nennen.
Schön beschreiben die Autoren wie ein Schritt zum nächsten führte, wie Neuerungen sich als logische Konsequenz aus einer vorherigen Handlung erschlossen und wie sie mit neuen Problemen und Erkenntnissen umgingen.

This book aims to sketch, in light of our environmental crisis and economic sea change, the elements of business responsibility for our time, when everyone in business – at every level – has to deal with the unintended consequences of a 200-year-old industrial model that can no longer be sustained ecologically, socially or financially.” (S.2)

Die Botschaft der Autoren ist klar und eindrücklich: spätestens jetzt muss gehandelt werden. Chouinard und Stanley fordern von Firmen eine spürbare Reduzierung ihrer Umweltbelastungen , Transparenz und Wissen über die eigene Lieferkette und Produktionsbedingungen, die Herstellung von vernünftigen, langlebigen Produkten, die Verbesserung ihrer betrieblichen Qualität und ein respektvoller Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Kommunen.

Das Buch endet mit einer Check-Liste von 263 Empfehlungen wie Betriebe ihre ökologischen und sozialen Belastungen analysieren und wirkungsvoll verringern können.

Mein Fazit:
Ein sehr ehrliches, informatives und überzeugendes Buch mit klaren, starken Worten, gut strukturiert und auf den Punkt gebracht. Es bietet nicht nur Unternehmern einen Leitfaden zum Umdenken, sondern animiert auch Verbraucher über ihr eigenes Konsumverhalten nachzudenken und kritische Fragen zu stellen. Oder um es mit den Worten der Autoren zu sagen:

“Every piece of crap, because it was manufactured, contains within it something of the priceless: applied human intelligence, for one, natural capital for another – something taken from the forest or a river or the soil that cannot be replaced faster than we deplete it. We`re wasting our brains and our only world on the design, production, and consumption of things we don`t need and that aren`t good for us…goods are likely to become more expensive, to reflect their true social and environmental cost, prompting us to shop less as a form of entertainment.” (S.27)