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Die Grünen hatten gestern zu einer Podiumsdiskussion in Frankfurt a. Main rund um das Thema „Faire Kleidung. Wer zahlt für billige Klamotten?“ geladen.

Moderiert wurde die Gesprächsrunde – bestehend aus Kordula Schulz-Acker (Landesvorsitzende der Grünen/ Entwicklungspolitikerin), Kristin Heckmann (Sozialstandard-Managerin, HessNatur) und Gerd Palmer (Einzelhändler, Inhaber des Stores Organicc in Ffm) – von der Grünen-Landtagsabgeordneten Martina Feldmayer.

Vor dem Hintergrund der Katastrophe in Bangladesch mit über 1000 Toten, wurden Fragen wie „Was muss sich ändern, damit Näherinnen in Bangladesch und anderswo nicht mehr für unseren Hunger nach billigen Klamotten mit ihrer Gesundheit oder gar ihrem Leben bezahlen? Wie sehen Alternativen aus? Was bedeuten und bewirken Fair Trade-Siegel in diesem Bereich? Und wo bekomme ich faire Kleidung?“ heftig diskutiert. Die aktive Einbindung des sehr informierten Publikums, brachte die Diskussion schnell in eine sehr interessante und konstruktive Richtung.

Von Links nach Rechts: Kordula Schulz-Acker (Landesvorsitzende der Grünen/ Entwicklungspolitikerin), Martina Feldmayer (Grünen-Landtagsabgeordneten), Kristin Heckmann (Sozialstandard-Managerin, HessNatur), Gerd Palmer (Einzelhändler, Inhaber des Stores Organicc in Ffm)

Als Hauptproblem im Fall von Bangladesch wurden allgemein die ergriffenen Maßnahmen im Zuge des öffentlichen Drucks gesehen. So hätte die Umsetzung des Brandschutzabkommens und Erhöhung des Mindestlohns in Bangladesch zunächst vor allem das Abwandern von Unternehmen in Billiglohnländer wie Myanmar zur Folge, sprich würden dem Land – in dem über 80 % der Bevölkerung von der Textilindustrie leben – Nachteile bringen. Besser wäre keine länderspezifische Lösung, sondern beispielsweise eine europaweite Regelung, die an Standards bindet. Hier könnten Produktionsbedingungen festgelegt werden, ebenso wie Gebäudesicherheit, Arbeitsbedingungen und die Freiheit zur Gewerkschaftsgründung. Eine Nichteinhaltung der Vorgaben würde dann zu einem Importstopp führen.
Auch die Verlagerung des Haftungsrechts in die Länder des Abverkaufs wurde als mögliche Lösung angedacht.

Von vielen Seiten wurde aber auch das deutsche Bildungswesen bemängelt, in dem solche Thematiken nur eine untergeordnete, bis gar keine Rolle spielen. Im Zuge von Projektwochen oder beispielsweise anhand von Filmmaterial könnten Schüler schon in jungen Jahren an die Problematiken der Modeindustrie herangeführt werden und schön früh ein anderes, bewussteres Kaufverhalten erlernen.
Auch das Angebot im Ausbildungssektor müsse ausgebaut werden. Einzelhändel sollten besser qualifiziert und geschult werden zum Thema nachhaltige Mode und Textilproduktion.
Staat bzw. Kommunen könnten als gutes Beispiel vorangehen und beim Kauf von Berufskleidung (zBsp. bei Uniformen, Krankenhausbekleidung) auf faire Bedingungen in der Herstellung achten.

Einfach “mal shoppen” ist nicht.
Wer als Konsument etwas ändern möchte, der sieht sich vor allem mit der Schwierigkeit der Beschaffung von ökologischer und fairer Mode konfrontiert (wenn man nicht unbedingt aus dem Katalog oder Online bestellen möchte). Einfach mal „am Samstag in die Stadt gehen und shoppen“ ist da nicht. Idee eines Gastes war, den Handel von politischer Seite aus voranzutreiben, wie es auch im Lebensmittelsegment passiert ist.

Diese Diskussion zeigt wieder einmal wie komplex das Thema ist und wie dringend Handlungsbedarf auf allen Ebenen besteht. Erfolgreich etwas ändern können wir nur, wenn sich alle aktiv einbringen, sprich die Endverbraucher ebenso, wie die Unternehmer und die Regierung. Kristin Heckmann wünscht sich dafür mehr einen „Schritt-für-Schritt-Ansatz“. Oft werden zu große Schritte gefordert und kleine werden nicht gewürdigt oder unterstützt. Jedoch einig waren sich alle in einem Punkt: „Wir alle müssen dafür sorgen, dass das Thema nicht mehr aus der Öffentlichkeit verschwindet“, wie Kordula Schulz-Asche so schön zum Abschluss sagte.