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Paris ist DIE Stadt der Mode, doch wie sieht es eigentlich aus mit grüner Mode? Die Internetrecherche vor meiner Reise klingt unerwarteter Weise ganz vielversprechend und so mache ich mich hoffnungsfroh auf den Weg ins Mode-Mekka.

Mein erster Besuch gilt Ekyog-Positive Fashion (23 Rue des Francs Bourgeois). Das Label „für modebewusste Frauen mit ökologischen Ansprüchen“ ist wahrscheinlich die größte Erfolgsgeschichte  für nachhaltige Mode aus Frankreich. Mehr als 30 Läden hat das 2003 von Nathalie Lebas-Vautier gegründete Eco-Fashion Label mittlerweile hierzulande. Ein Großteil der Produktion ist GOTS-zertifiziert, verwendet werden hauptsächlich Naturfasern wie Bio-Baumwolle, aber auch recyceltes Polyester und Regeneratfasern. Jährlich werden 10% des Verkaufserlöses der – 2007 extra dafür gegründeten – Vereinigung Terre d’Ekyog gespendet, die sich für Umweltschutz und soziale Projekte im Gesundheits- und Bildungswesen an den Produktionsstandorten einsetzt. In Indien beispielsweise wurden Farmer dabei unterstützt auf den Anbau von Bio-Baumwolle umzusteigen – Langzeitverträge mit Ekyog garantieren die dauerhafte Abnahme des Rohstoffs. Der Stil ist modern und feminin mit zeitlosen Schnitten und weichem fließendem Material.

Danach folgen erst einmal ein paar „Grüne Mode“-Enttäuschungen: Dalia & Rose (9 Rue du Marché Saint-Honoré), angeblich „Paris‘ first eco concept store“ führt gerade mal eine minimale Anzahl an Kleidungsstücken von Kami Organic. Der Fokus liege mittlerweile mehr auf lokalen Designern erklärt mir die Verkäuferin.
Das House of  Organic, bzw. Ekovarhuset wie es in Stockholm und New York heißt, im Pariser Viertel Marais gibt es gar nicht mehr, es hat bereits seit Februar seine Pforten geschlossen. Schade.

Also mache ich mich auf, um die Upcycling-Kollektion „Petit h“ des französischen Luxus-Modehauses Hermès zu bestaunen. Die Kreativwerkstatt des Hauses verwandelt wertvolle Reste wie Leder, Seide, Porzellan oder Kristall aus der Hermès-Produktion in außergewöhnliche Kunst-, Mode- und Wohnobjekte. Das Projekt das 2009 von Pascale Mussard ins Leben gerufen wurde, ist ein echtes Vorzeigeprojekt im Luxusmodesegment, wo Nachhaltigkeit noch viel zu wenig thematisiert wird. Allein wegen der Location in einem alten, denkmalgeschützten Jugendstil-Schwimmbad aus den 30er-Jahren lohnt sich ein Besuch. Besonders beindruckt bin ich von einer Handtasche aus Leder, bei der alle Elemente wie Laschen und Henkel für eine neu produzierte Tasche ausgeschnitten wurden (siehe Foto). Es sieht ein bisschen aus wie ein Teig nach dem Ausstechen der Plätzchen und verdeutlich auf erschreckende Weise wie viel Materialverschnitt übrig bleibt und unter normalen Umständen weggeschmissen werden würde.

Petit h bei Hermès

Von der Rue de Sevres fahre ich in eine etwas abgelegenere Gegend im 12ten Arrondissement um das Label Ambrym (20 Rue Crozatier)– benannt nach der Insel im Südwestpazifik auf der die  Gründerin Gabrielle Gerard aufgewachsen ist – in seinem Headquarter zu Besuchen. Der Weg hat sich mehr als nur gelohnt. Zwei Kollektionen pro Jahr mit etwa 40 Teilen bringt die Firma auf den Markt. Produziert wird in kleinen Workshops direkt in Paris und gestrickt wird in Süd-Frankreich. Ich bin direkt großer Fan von den tollen und raffinierten Schnitten, die jedes Kleidungsstück zu etwas ganz besonderem machen. Einige davon zieren Prints –  vor allem Tiermotive – die Gabrielle selbst illustriert hat. Für die Materialien werden ausschließlich Naturfasern, wie Wolle aus Italien, Bio-Baumwolle und Leinen verwendet. Bisher wird Ambrym in 30 Läden weltweit angeboten, hauptsächlich in den USA und Asien. Der Pariser Laden wird ab Anfang 2014 in der trendigen Canal St. Martin zu finden sein. Einen Besuch dort kann ich nur empfehlen ;)


Beim Abschied empfiehlt mir Gabrielle noch einen Besuch in einem der drei Altermundi Läden und bei Centre Commercial. Bei Altermundi findet man viele schöne Dinge wie Accessoires und Interieur zum Verschenken. Fokus für die Auswahl der Produkte liegt auf Sozialprojekten aus der ganzen Welt. Vieles ist durch Materialrecycling und Upcycling entstanden

Centre Commercial (2 Rue de Marseille) dagegen ist ein echt stylischer Conceptstore von den Machern der französisch-brasilianischen Eco-Sneakermarke Veja. Neben dem kompletten Veja-Sortiment bestehend aus nachhaltig produzierten Schuhen und Taschen aus Bio-Baumwolle und pflanzlich gegerbtem Leder, gibt es hier Labels wie Nudie, Patagonia, Knowledge Cotton Apparel und viele meist französische Jungdesigner, bei denen die Nachhaltigkeitsansprüche vor allem auf lokaler Produktion und Handarbeit liegen.

Wenn ihr einen Trip ins schöne Paris plant, dann schaut doch auch gerne bei den Labels und Stores vorbei, oder erzählt mir, ob ihr Projekten zum Thema grüne Mode begegnet seid. Ich freue mich jedenfalls, über die kleinen Neuentdeckungen und hoffe, dass das Thema für die französische Hauptstadt noch mehr an Bedeutung gewinnt.