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Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich euch von der ersten Gruppe von Absolventen des Studienganges „Sustainability in Fashion“ an der Esmod Berlin und ihren tollen Masterarbeiten berichtet.
Nun ist es wieder soweit: Der internationale Studiengang entließ seine zweite Gruppe “zurück in die Freiheit”. 12 Studenten aus den verschiedensten Ländern wie Brasilien, Schweden, Kanada, Russland und Iran, haben sich elf sehr intensive Monate lang mit den unterschiedlichen Ansätzen von nachhaltiger Mode beschäftigt, bevor sie Ende September ihre Abschlussarbeiten im Goethe-Institut Paris während der Fashion Week präsentierten. Neben Unterrichtseinheiten in Sustainable Marketing, Sustainable Design Strategies, Critical Studies und Sustainable Textiles and Production galt es diverse Projekte möglichst ganzheitlich umzusetzen. Dazu zählten beispielsweise ein Konzept für die Detox-Kampagne von Greenpeace, eine Zero-Waste Kollektion für Esprit, das Entwickeln eines Konzeptes/Produktes mit einem geschlossenen Kreislaufsystem nach Cradle-to-Cradle mit der Firma EPEA, sowie eine Upcycling Kollektion für Hessnatur aus alter, nicht abverkaufter Lagerware.
Das zweite Semester stand den Studenten für die Ausarbeitung ihrer Masterarbeit zur Verfügung und startete für die Meisten mit einer Reise zu den Kooperationspartner-Unternehmen der einzelnen Projekte. In einem Zweiteiler werde ich versuchen kurz alle Arbeiten vorzustellen.

Simone Oliveira Simonato: „Sica Clipping Up“

Fokus: Nachhaltige Design Strategien
Kooperationsfirma: CSI (Consulting Service International), Bangladesch

Müsste ich mich für ein Lieblingsprojekt entscheiden – was nicht ganz einfach ist, bei der Diversität der Arbeiten – dann wäre es wahrscheinlich Simones. Zwei Monate bereiste die Brasilianerin Bangladesch und besuchte dort Produktionsstätten. In einer der ärmsten Gegenden des Landes, Rangpur, blieb sie hängen, um mit Village Produced zu arbeiten. Die 2008 gegründete Firma verarbeitet textilen Verschnitt und Stoffreste auf alten Handwebstühlen zu neuen Produkten, hauptsächlich Teppichen die u. a. in Deutschland verkauft werden. Bei ihrem Besuch kam Simone die Idee diese Webtechnik auch für hochwertigere Upcycling-Produkte zu nutzen, wie Taschen, um für die Arbeiter höhere Einnahmen und mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Entstanden ist aus dieser Zusammenarbeit eine wirklich fantastische Taschen-Kollektion: Von der Clutch über den Rucksack bis zur Fahrradtasche in bunten Farben, findet sich für jeden das richtige Modell. Für die Taschenträger verwendete sie alte Gürtel.

Kontakt: moc.liamgnull@otanomisacis

Viedo von Simones Reise in Bangladesch: Sica Clipping Up


Mayta Lara Leal: „A journey through cultural diversity“

Fokus: Nachhaltige Design Strategien
Kooperationsfirma: Abury, Deutschland

Der Ein oder Andere erinnert sich vielleicht noch an meinen Artikel über das von Andrea Kolb gegründete Label und Social-Business-Projekt Abury , das Ledertaschen in Marokko nach traditionellen Handwerkstechniken fertigen lässt. Gerade in der Lederproduktion gibt es besonders viele Missstände, da in den meisten Fällen mit dem Schwermetall Chrom gegerbt wird. Kaum in Marrakesch angekommen, war Mayta nicht nur mit der Komplexität der Thematik und den kulturellen Gepflogenheiten wie man so schön sagt, sondern auch mit Sprachschwierigkeiten konfrontiert. Doch auch ohne französische oder marokkanische Sprachkenntnisse hat die Brasilianerin eine Taschenkollektion – lokal produziert und aus pflanzlich gegerbtem Leder – auf die Beine gestellt. Das Besondere: Für die Verschlüsse wurden keine Fremdmaterialen wie Metallzipper oder Knöpfe eingesetzt. Zusätzlich hat sie eine Guideline für Social Brands erstellt zum Thema ethisch korrekte Produktion in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Kontakt: moc.liamgnull@aralatyam

 

Video zu Maytas Projekt: Free People Collection

Hedieh Shafaee: „The unseen treasure“

Fokus: Nachhaltige Design Strategien
Kooperationsfirma: Ghazal Paazh Tous, Iran

Für die Iranerin war schon ziemlich schnell klar, für ihre Masterarbeit einen direkten Bezug zu ihrer Heimat zu schaffen, in der, wie sie selbst sagt „Nachhaltigkeit in der Mode noch keine Rolle spielt.“ Jedoch hat das Land ein jahrtausendaltes Wissen in traditioneller Seidenstickerei, was sie sich für ihre Taschenkollektion zu Nutzen gemacht hat. Der Anspruch an das Design war eine Linie zu schaffen, die gleichermaßen auf dem iranischen, wie auch dem europäischen Markt verkaufbar ist und so das traditionelle persische Handwerk weiterleben lässt und den Stickerinnen ein gutes Einkommen ermöglicht.

Kontakt: http://www.helousco.com/index.html

 

Sanne Lundblad: „One of twenty five“

Fokus: Nachhaltige Design Strategien
Kooperationsfirma: KERO Design, Peru

Die Schwedin ist durch und durch Designerin und hat eine wunderbare und ganz eigene Designhandschrift. Ausgangsproblematik für Sannes Masterarbeit war die schwierige Lage am Markt für kleine Labels. Große, vertikale Ketten und Massenproduktion drücken das Preisniveau auf ein Minimum, das es für kleine Brands nicht mehr möglich macht, mitzuhalten oder konkurrenzfähig zu bleiben. Große Schuld an dieser Situation gibt Sanne den schnellen Modezyklen. Für ihre hochwertige, in Peru handgestrickte Mode bevorzugt sie das Konzept der Slow Fashion. Alle 25 Tage  verkauft sie EIN neues Design auf ihrer Website, gefertigt aus Alpaka und Stoffen von Lebenskleidung in Bio-Qualität. Alle Schnitten sind Zero Waste.

Kontakt: http://oneoftwentyfive.com/

 

Constanza von Stülpnagel: „Kaitari“

Fokus: Nachhaltige Design Strategien
Kooperationsfirma: Appachi Cotton, Indien

Constanza bringt vor allem durch ihre langjährige Tätigkeit – zuletzt als Senior Design Managerin – bei Swarovski viel Erfahrung im Luxussegment mit. Für ihr Abschlussprojekt reiste sie nach Indien zu Appachi Cotton, einer Produktionsstätte, die Textilien aus selbstangebauter Bio-Baumwolle herstellt. Aus feinen, handgewebten Sari-Stoffen hat Constanza eine sehr hochwertige high-fashion Kollektion entwickelt, die den Spagat zwischen dem europäischen und indischen Markt als Zielgruppe schafft und die hohe ökologische und soziale Standards erfüllt.

Kontakt: http://www.cvstuelpnagel.com/