Titelbild GS

Meinen zweiten Messetag verbringe ich im Green Showroom im Hotel Adlon Kempinski. Direkt im ersten Raum treffe ich auf Aleks Kurkowski und ihr gleichnamiges Label aus Hannover. Die komplette Kollektion, sowohl für Männer als auch für Frauen ist in Schwarz gehalten. Die Schnitte sind geradlinig, klar, wirken irgendwie grafisch mit raffinierten Asymmetrien und spannenden Materialkombinationen. Aleks verwendet für ihre Kollektionen ausschließlich zertifizierte Naturmaterialien wie Seide von Seidentraum, Stoffe von Lebenskleidung und Rhabarberleder. Weiter geht es zu Katharina Kaiser Sustainable Apparel. Ich treffe sie hier zum ersten Mal persönlich und bin hin und weg von ihrer wunderbaren Kollektion mit dem schönen Namen „Amalfi“, benannt nach der italienischen Amalfiküste. Leichte, sommerliche Farben wie Limoncello-Gelb, Weißtöne, Korallenrot und Mokka spiegeln Katharinas Inspirationsquelle von einem italienischen Sommer in den 60er-Jahren wieder. Besonders gut gefallen mir ein Oberteil mit Flockdruck und ein Top, deren Farbverlauf per dip dye mit Curry in Handarbeit hergestellt wurde. An Materialien verwendet die Designerin hauptsächlich Regeneratfasern wie Mikromodal, aber auch Seide, Baumwollcrêpes und Rhabarber gegerbtes Leder.

 

Und wenn hier schon so oft das Wort Rhabarberleder fällt, dann darf natürlich ein Besuch bei Deepmello nicht fehlen, denn auch da gibt es Neues zu berichten: Und zwar zum Thema Farben . Denn zu der sonst immer eher sehr dunkel gehaltenen Farbpalette gesellt sich diesmal ein Coral-Ton. Aktueller Gastdesigner der Kollektion ist Leandro Cano (der letzte Gewinner des Awards „Designer for tomorrow“), der im neuen Farbton Cluchtes, Kleid, Beuteltaschen und iPad Cases entworfen hat.

Neu für mich – obwohl schon zum zweiten Mal mit dabei im Green Showroom – ist das noch junge Berliner Label Myuli. Die Labelgründerinnen Lisa Dralle und Katharina Seidel sind für die ausgestellte Kollektion mehrere Wochen durch Indien gereist, auf der Suche nach neuen Fair Trade Projekten und um sich vor Ort ein besseres Bild über die Herstellung von ökologischen Stoffen, Naturfärbungen, traditionelle Handarbeitstechniken und die allgemeinen Arbeitsbedingungen machen zu können. Einflüsse dieser Reise findet man auch in der Kollektion selbst wieder, in Form von weiten Hosen mit von Hand gestempelten, traditionellen Blockprintmustern und weiten, fließenden Schnitten. Auch die Farbauswahl von Naturtönen mit partiell eingesetzten, bunten Stickereien als Kontrast gefällt mir ziemlich gut.

Sowohl auf der Ethical Fashion Show, als auch im Green Showroom hatte das estländische Label Reet Aus einen Stand. In Kooperation mit Beximco, dem größten Textilproduzent in Bangladesch, ist aus dem Verschnitt großer Bekleidungsketten wie H&M und Zara eine Upcyclingkollektion entstanden. Ziel der Zusammenarbeit war die Entwicklung eines Upcycling-Konzepts für die Massenproduktion. Die Hangtags an den Kleidungsstücken beziffern wie viel Wasser und Energie im Vergleich zu einem gleichwertigen neuen Produkt bei der Produktion eingespart wurde. VK-Preise liegen bei 140€ für Hosen, 70-80€ für Blusen und 40€ für T-Shirts. Jetzt heißt es nur noch die Big Player von dieser fantastischen Idee zu überzeugen. Dieses Projekt hat mich so sehr begeistert, dass ich nach Messeschluss immer noch am Stand saß, ins Gespräch vertieft mit Ann Runnel (Reet Aus) und Herr Raihan (Beximco). Ein schöner Abschluss für einen wunderbaren Messetag mit vielen netten Gesprächen und Entdeckungen. Ich freue mich schon aufs nächste Mal.

Hier geht es zur Website vom Green Showroom.

Dieser Artikel ist ein Crosspost und erscheint zeitgleich auf dem sehr lesenswerten Blog Grüne Mode.