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In Teil1 des Artikels haben wir euch die Rahmenbedingungen der Textil- und Bekleidungsbranche aufgezeigt. In diesem Teil geht es um generelle Lösungsansätze, aber auch um spezielle Tipps für den Alltag.

Der Kunde ist König! Ein geflügeltes Wort, das einen großen Wahrheitswert aufweist, wenn man es auf den aktuellen Stand der Textilindustrie bezieht, wie wir ihn in Teil 1 vorgestellt haben. Warum dem so ist? Mit unserer Nachfrage steuern wir das Angebot. Erkennt der Handel erst einmal die kritische Haltung der Konsumenten, wird er über kurz oder lang über neue Konzepte nachdenken müssen. Für uns, als Käufer, ist es wichtig zu verstehen, dass wir handlungsmächtig sind. Dabei geht es weniger darum, den Boykott zu suchen, denn dieser schadet wahrscheinlich am Ende der Wertschöpfungskette den Falschen, nämlich den Fabrikarbeitern. Aber wir Kunden können uns besser informieren, stärker hinterfragen und anmahnen.

Was bedeutet nun aber eigentlich nachhaltigen Mode genau?
Wie arbeitet sie und welche Wege kennt sie? Aktuelle Trends gehen ganz klar zu kreislauffähigen Produkten. Recycling ist mit Sicherheit das bekannteste Konzept: Aus alt mach neu, wie etwa die Jungs von Eqo Optics, die aus abgenutzten oder zerbrochenen Skateboards Sonnenbrillen herstellen. Beim Upcycling werden vorhandene Ressourcen wie Müll (u. a. Verpackungen), Verschnitt oder Ausschuss wiederverwendet, um daraus mit möglichst wenig Energieaufwand neue, qualitativ hochwertigere Produkte zu schaffen. Der Upcycling Fashion Store in Berlin zum Beispiel informiert zu diesem Thema nicht nur auf seinem Blog sondern verkauft auch Upcycle-Labels gleich vor Ort, für die die verschiedensten Materialien in Mode verwandelt wurden – u.a. auch das eigene Label aluc, das ausschließlich Reststoffe verwertet.

 

Königsdisziplin Cradle-to-Cradle
Die Königsdisziplin ist jedoch das „Cradle-to-Cradle“-Prinzip (von der Wiege zur Wiege). Hinter diesem Begriff steckt das ambitionierte Vorhaben Produkte zu schaffen, die komplett biologisch abbaubar bzw. zu 100% wiederverwertbar sind,  sprich sie können einen geschlossenen Produktlebenszyklus vorweisen so dass kein Müll entstehen kann. Mit seiner erst kürzlich gelaunchten InCycle-Kollektion ist PUMA ein super Beispiel für eine erfolgreiche Umsetzung dieses Designansatzes.

„Buy less, choose well, make it last“
„Buy less, choose well, make it last“, ist das Credo der Modedesignerin Vivienne Westwood. Die Aussage ist ganz klar eine Empfehlung zu mehr Qualität und weniger Quantität. Informationen über das Angebot an Stores und Labels in der eigenen Stadt findet man über den Fair Fashion Finder der Konsumentenplattform Get changed!. Seiten wie Rank a Brand erlauben es, eine Beurteilung über die Lieblingsmarke einzuholen. Mit Hilfe eines Bewertungssystems erfährt man als Kunde wie die verschiedenen Markenhersteller arbeiten. Und alternative Labels, die nachhaltig Arbeiten gibt es mittlerweile viele, so dass man sich leicht von der Unterhose (Pants to Poverty) über das trendige Outfit (Knowledge Cotton Apparel und Studio Jux)  bis hin zu den Sneakern (Veja) sozial und ökologisch korrekt einkleiden kann.

Das liebe Geld..
Natürlich spielt Geld auch immer eine große Rolle, besonders dann, wenn man Student ist und in der Regel nicht so viel davon zur Verfügung hat. Hier gibt es jedoch auch eine bunte Auswahl an Möglichkeiten, angefangen bei klassischen Alternativen wie Second-Hand Shops bis hin zu den trendigeren Varianten  wie Common Vintage - eine Online-Plattform für Vintage Mode. Auf dieser Plattform kann getauscht, gekauft, gesucht und gefunden werden. Ein Konzept, das sich großer Beliebtheit erfreut; sondiert man die Angebotspalette trifft man noch auf weitere Netzwerke wie den ziemlich populären Kleiderkreisel oder Mädchenflohmarkt.

Was zieh ich also an? Ganz klar, das, worin ich mich wohl fühle, das, wo ich hinter stehen kann, das, was individuell ist, vielleicht das, was ich mir ertauscht habe oder das, was ich selbst umgestylt habe. Aber vielleicht nicht mehr so oft, das, von dem ich weiß, warum es so günstig ist.

Dieser Zweitteiler entstand für die Zukunftswerkstatt Hochschule – eine Dialogplattform zum Themen Hochschulpolitik und Studentenleben. Fokus der Anfrage war, wie man die bekannten (und günstigen) Marken H&M und Co. umgehen kann und warum es wichtig ist, sich gerade als Masse der kritisch denkenden Studenten mit dem Thema Nachhaltigkeit von Mode zu beschäftigen.