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Besonders im letzten Jahr hatte das Thema Altkleider eine enorme Medienpräsenz. Im Fokus des Interesses die große Frage: Was passiert eigentlich mit unseren Kleiderspenden?

Der Weg ins zweite Leben startet für ein Kleidungsstück meistens im Sammelcontainer. Rund 750.000 Tonnen Kleidung spenden die Deutschen pro Jahr, Tendenz steigend. Ein Großteil davon landet im Textilsortierwerk SOEX in Wolfen erzählt Pailak Mzikian , Head of Corporate Strategy & Sustainability der SOEX International AG bei meinem Besuch. Das Werk an diesem Standort gilt als das modernste und größte seiner Art weltweit. Mehr als 400 Tonnen unsortierter Alttextilien und Schuhe aus ganz Deutschland finden täglich ihren Weg hierher. Hochgerechnet aufs Jahr macht das ein Sammelvolumen von über 100.000 Tonnen. Ziemlich beeindruckende Zahl, das Ausmaß dieser Menge wird für mich allerdings erst greifbar, als ich es hier mit eigenen Augen sehe.

 

Beeindruckend ist auch das ganze Werk selbst, mit einer Fläche von 80 000qm und mehr als 750 Mitarbeitern. Vor den Hallen werden die ankommenden LKWs gewogen und die Altkleidersäcke manuell in gelbe Gitterboxen entladen. Die Ware gelangt dann auf ein Fließband wo sie zunächst grob „gereinigt“ wird, sprich Elektrogeräte oder Ähnliches, das hier eigentlich nicht hingehört, werden aussortiert. Wir folgen den Altkleidern, die sich nun über unseren Köpfen hinweg in großen gelben Säcken über ein 4,5 km langes Schienensystem auf ihren weiteren Weg zu den diversen Sortierstationen begeben. Die Prozessschritte von der Vor- bis zur Feinsortierung unterliegen strengen Kriterien. Neben der Kategorisierung in Qualitäten von Cremeware über Erste, Zweite und Dritte Wahl bis hin zum Recyclingprodukt, werden die Kleidungsstücke auch in Produktgruppen (u. a. Hemden, Hosen, Jacken, DOB, Haka, Sportswear, Kids, Heimtextilien) aufgeteilt. Als „Re-Wear“ werden dabei noch tragfähige Textilien bezeichnet, die als Gebrauchtkleidung für in- und ausländische Märkte aussortiert werden. „Re-Use“ steht für die Umwandlung des Sammelguts in Sonderprodukte (beispielsweise werden einfarbige T-Shirts und Sweatshirts für die Herstellung von Putzlappen eingesetzt). Unter dem Begriff „Re-Cycle“ werden die Alttextilien zusammengefasst, die nicht mehr tragbar sind und die sich nicht zur direkten Weiterverarbeitung eignen. Sie werden in der hauseigenen Recycling-Anlage zu Dämmstoffen und Isoliermaterialien (u. a. für die Automobilindustrie) verarbeitet.

 

Textilstaub der dabei anfällt wird zu Briketts gepresst und als Ersatzbrennstoff für die Zementherstellung genutzt. Alles, was nicht wiederverwertet oder recycelt werden kann, wird entsorgt.
Eine der größten Herausforderung verrät Herr Mzikian ist das Recycling von Schuhen, auf Grund ihrer vielen unterschiedlichen Materialkomponenten. Aber auch nicht sortenreine Textilien, da deren Fasermischungen meist nicht separiert werden können. Dafür wäre das einnähen eines RFID-Etikettes in die Kleidungsstücke, welches Materialangaben speichert, sehr hilfreich (2009 startete Gerry Weber als Pionier auf dem Gebiet der RFID-Technik im Einzelhandel).
Langfristiges Ziel der SOEX Group ist es die Rohstoffe in einem geschlossenen Kreislauf zu halten, um den Ressourcenverbrauch zu minimieren und die Umwelt zu schonen. Das sogenannte „Closed Loop“-Recycling zielt darauf ab, die in Produkten enthaltenen Rohstoffe nach deren Nutzung dem Rohstoffkreislauf  zur Herstellung neuer Produkte wieder zu zuführen.

 

Der Besuch bei SOEX war mehr als nur beeindruckend und ich freue mich über die nachhaltige Unternehmensphilosophie und das große Engagement der Firma hinsichtlich einer Kreislauffähigkeit. Etwas mit gemischten Gefühlen musste ich feststellen, dass viele der Kleidungsstücke, die ich hier zu sehen bekomme habe noch ungetragen, bzw. so gut wie neu waren. Um langfristig ein Closed Loop System zu schaffen, müssen jedoch alle Verantwortung übernehmen: die Designer schon während des Designprozesses und die Konsumenten im Bezug auf den wahren Wert von Kleidung, Qualität und Langlebigkeit.

Hier gehts zur Website von SOEX.
Sehr sehenswerte Doku zu dem Thema: “Könnes Kämpft: Der Altkleider-Irrtum – Wie Kleiderspenden zur Ware werden“. (2012)