Titelbild

Bangladesch ist ein Land der Superlative: Hier findet man das weltweit größte Flussdelta und den längsten Sandstrand und mit einer Bevölkerungsdichte von 1.087 Personen pro km² zählt es zu dem am dichtesten besiedelten Staat der Welt. Auch für die Textilindustrie spielt das südasiatische Land als weltweit zweitgrößter Exporteur von Bekleidung eine ganz bedeutende Rolle. Aber damit ist noch nicht Schluss: Anlässlich des ersten Dhaka Apparel Summit Anfang Dezember präsentierte das Land ziemlich ehrgeizige Pläne für die Zukunft der lokalen Bekleidungsbranche.

50 Milliarden US-Dollar zum 50ten Geburtstag

Zum 50jährigen Geburtstag des Landes im Jahr 2021 soll das Exportvolumen für Konfektionskleidung (ready-made garments) auf 50 Milliarden US-Dollar gesteigert werden gab der Verband der Hersteller und Exporteure von Textilien – Bangladesh Garment Manufacturers and Exporters Association während der Veranstaltung in Dhaka bekannt.

Sind diese Expansionsziele tatsächlich umsetzbar für ein Land, dass jüngst nicht nur durch die zwei furchtbaren Unglücke  - dem Brand der Fabrik Tazreen Fashion im November 2012 mit 117 Toten und dem Einsturz des achtstöckigen Rana Plaza Gebäudes im letzten Jahr mit mehr als Tausend Toten – Schlagzeilen machte, sondern auch durch regelmäßige sexuelle Übergriffe auf weibliche Arbeiter und Gehältern unterhalb des Mindestlohns? Laut aktuellen Veröffentlichungen zahlen zirka 20% der Fabriken ihren Arbeitern nach wie vor keine Mindestlöhne.

Made in Bangladesh

Die Karawane zieht weiter

Laut dem Marktführer unter den Unternehmens- und Strategieberatungen McKinsey & Co ist die Antwort „JA“. In ihrer Publikation „Bangladesh`s Ready Made Garments Landscape: The Challenge of Growth” (April 2012) könnte Bangladesch diese Ziele sogar mit “Leichtigkeit” erreichen. Expertenmeinungen sehen das ähnlich, was besonders auf die veränderte Situation in China zurückzuführen ist. Während China als Produktionsstandort mehr und mehr an Attraktivität verliert, hat Bangladesch sich mit Europa und den USA als größte Abnehmer ebenso wie die Erschließung neuer Märkte wie Japan, Südkorea und Russland eine gute Position aufgebaut um die entstehende Exportlücke zu füllen. Allerdings  schlafen auch die Wettbewerber nicht und so buhlen Länder wie Kambodscha, Vietnam und einige afrikanische Nationen auch um ein Stück vom Kuchen. Angesichts dieser Tatsache ist zu hoffen, dass die Erreichung des geplanten Wachstums für Bangladesch nicht zur „sucidial decision“ wird, wie Syed Ferhat Anwar (Professor am Institute of Business Administration in Dhaka) es in seinem Resümee zur Konferenz so schön formuliert hat. Wichtig ist dafür ganz besonders der Ausbau der Infrastruktur, die Einhaltung von ökologischen Richtlinien, Sozialstandards und Gebäudesicherheit, die Gewährleistung von politischer Stabilität, aber auch Themen wie Energiesicherheit und Bildung.

Ich bin mir ziemlich sicher, das ein Land, dass es von seinen allerersten Bekleidungsexporten im Jahre 1980 (eine Ladung von Männershirts nach Deutschland) auf aktuell US $25 Milliarden Exportumsatz pro Jahr geschafft hat, auch diese Herausforderungen meistern wird. Es bleibt mir nur zu hoffen, dass dies in einem gesunden Maß für Mensch und Natur geschieht.

Textilien Made in Bangladesh