Keyvisual_EFSB_quer_final_600Px-1_0

Auf den ersten Blick sieht die Ethical Fashion Show aus wie jede andere Modemesse auch. Das Besondere an ihr erschließt sich eigentlich erst, wenn man mit den Ausstellern ins Gespräch kommt und mehr über die Hintergründe ihrer Kollektionen erfährt. Daher bin ich froh, auch diesmal wieder mit viel Zeit meinen Rundgang auf dieser Messe machen zu können und mir ganz in Ruhe die Erzählungen zu den vielseitigen Nachhaltigkeitsansätzen der einzelnen Labels anzuhören.

Gleich am Eingang der ersten Halle treffe ich auf das schwedische Label Khogy und seine trendy Schuhe, Accessoires und Taschen aus Thunfischhäuten. Die Häute stammen aus Sri Lanka, ein Land mit ausgeprägter Thunfischindustrie. Die Cousinen Jenny und Caroline Welwert haben dort auf einer Reise entdeck, das die Häute der Tiere nach dem Filetieren als Abfall tonnenweise wieder ins Wasser geschmissen werden. Um dem entgegenzuwirken haben die Zwei sich vor Ort ein Netzwerk aufgebaut: Die Fischhäute werden gesammelt, vegetabil gegerbt und in Handarbeit zu einer sehr hochwertigen Schuh- und Accessoire Kollektion verarbeitet.
Khogy

Direkt am Stand daneben treffe ich auf Ben Weide, der sein gleichnamiges Label zum ersten Mal präsentiert. Seine Männerkollektion „Crash in the Woods“  besticht vor allem durch unglaublich smarte Schnittkonstruktion: Eine Casual Hose mit extra Tasche als Bierflaschenhalter und abgenähter Falte in der Gesäßtasche die dem „Portemonnaie-in-der-Potasche“-Träger trotz der Verformung durch die Geldbörse zu einem gut geformten Hintern verhelfen soll. Absolut innovativ ist auch die Pre- & Post-Christmas Hose mit einem innenliegenden, verstellbaren Gummizug im Bund, der mit dem Bauch mitwächst. Das Kernoutfit des Labels ist ein bei 30°C waschbarer Herrenanzug aus 100% Schurwolle. Wichtig ist Ben Weide eine möglichst regionale Produktion und multifunktionale Kleidungsstücke, wie sein Freizeitmantel, der sich durch das Abnehmen der Kapuze ruckzuck zu einem Businessmantel transformieren lässt. Daumen hoch für diese wundervolle Umsetzung von Slow Fashion, fehlt nur noch der konsequente Einsatz ökologischer Materialen.

Hirsch-Natur präsentierte unter anderem seinen Hüttenschuh 2.0, eine moderne Interpretation des Filzhausschuhs. Der klassische Hüttenschuh ist von Konfektionswegen her recht aufwendig und da man zu Hause meist schon Strümpfe trägt entstand die Idee eine dekonstruierte Form davon auf den Markt zu bringen. Das Ergebnis ist im Prinzip eine Wollfilzsohle, die auf einer Seite mit einem Klett versehen ist, der am Strumpf befestig wird, die andere Seite hat eine Stopper-Beschichtung. Eine gute und platzsparende Alternative für die Reise.

Maria Seifert hat zum ersten Mal einen Upcycling-Rock im Sortiment. Das Material dafür stammt von der neuen Sortierstelle der Berliner Stadtmission (davon habe ich bereits berichtet). Den Gedanken des Upcyclings möchte die Designerin auch für die nächste Sommerkollektion weiterführen.

Minga Berlin

Bunt gemusterte Socken aus Bio-Baumwolle präsentierte das Label Minga Berlin, welches durch höchste soziale und ökologische Standards gleichermaßen überzeugt. Im Sortiment findet man ausserdem vom Seniorinnen-Kollektiv in München handgestrickte Wollsocken deren Einnahmen aus dem Verkauf für “Kinder in Not” gespendet werden. Zur nächsten Kollektion soll es auch zum ersten Mal Strumpfhosen geben.

Die Entwicklung von Nurmi verfolge ich schon seit einiger Zeit und bin begeistert von dem ganzheitlich nachhaltigen Anspruch den das finnische Label an seine Kollektion stellt. Neben Hanf und Dead Stock Materialien für die Kollektion wird Bio-und recycelte Baumwolle verwendet. Eine kleine Sensation und eine absolute Marktneuheit ist eine Jeans aus 100% recycelter Baumwolle. Der recht grobe Stoff benötigt keine erneute Färbung, da der Rohstoff schon vorgefärbt ist. Ansonsten findet man in der Kollektion noch Kleider und Oberteile in Zero- und Minimal Waste Schnitttechnik.

Nurmi

Oat-Shoes that bloom, bereits zum zweiten Mal als Aussteller auf der EFS stellt seine biologisch abbaubaren Sneaker aus vegetabil gegerbtem Leder und Bioplastiksohle vor. Besonderes Gimmick: Jedes Paar Schuhe hat Blumensaatgut in der Schuhzunge eingearbeitet. Wer seine Sneaker also eines Tages durchgelaufen hat, der kann diese laut Hersteller zum Kompostieren in der Erde verbuddeln und sich dann im Frühjahr auf Blumen freuen. (Genauere Angaben zum Material oder ein Zertifikat für Heimkompostierbarkeit habe ich auf der Website leider nicht gefunden.)

Oat - Shoes that blossom

Über die News der Brands im Bereich Outdoor- und Funktionsbekleidung Bleed, Pyua und Vaude die es erstmalig auf der EFS zu sehen gabe, werde ich nächste Woche ausführlich nach meinem Besuch auf der Ispo (Internationale Fachmesse für Sportartikel und Sportmode) in München berichten.

Dieser Artikel erscheint zeitgleich als Cross-Post auf Grüne Mode.